Sonntag, 7. November 2010

Stippvisite im Deutschen Klub

Heute Morgen ist mir ja ein vorzüglicher Kurzwitz eingefallen. Also, passt mal auf, der geht folgendermaßen:
Kommt ein Mann in die Bäckerei und fragt, "haben sie Rumkugeln"?
Sagt die Bäckereifachverkäuferin hinter dem Tresen, "nein, wir haben nur Aufderstellehüpfen".
Ha-haaa! Ist das nicht komisch? Da muss man erst mal drauf kommen.

Naja, da fing der Tag also schon mal ganz vergnüglich an. Ich wohne ja noch immer im Hotel und ich muss sagen, ich könnte mich dran gewöhnen. Man wird ja langfristig auch viel persönlicher vom Personal behandelt. Wenn man auf dem Gang die Putzfrau trifft, wird man freundlich angelächelt und auch im Erdgeschoss wird man vom Consierge mit einem netten "good morning Mr Hinrichsen (die sagen immer Hinrixen aber das maxt nix), how are you today?" angesprochen und dann weiss ich immer gar nicht, was ich da antworten soll. Offene Fragen... und dann noch auf English und das in meinem Alter. Mir bricht dann immer fast der Schweiss aus, weil ich natürlich nicht unangenehm durch Wortkargheit auffallen möchte. Also lächele ich etwas verlegen und winke jovial zum Tresen herüber. Das reicht denen dann auch.

Aber das wollte ich jetzt eigentlich gar nicht erzählen. Eigentlich wollte ich davon erzählen, dass ich mich kurzfristig dazu entschlossen habe, dem Club Tivoli einen Besuch abzustatten - ganz inkognito, quasi. Das ist der deutsche Club in Melbourne. Hier soll es auch einen dänischen Club geben und jede Menge griechische und italienische Clubs. Wie üblich habe ich mich der lokalen öffentlichen Verkehrsmittel bedient. Von der Nahverkehrszughaltestelle zum Club Tivoli musste ich den Bus nehmen. Wie bereits erwähnt hatte ich ja die Erfahrung gemacht, dass Australier keine Hemmungen haben wildfremde Menschen anzugehen und mit ihnen kurzweilige Gespräche über Wetter, Sport und aktuelle Tagesnachrichten zu erörtern. Da ich nun schon ein paar Tage in Australien bin, habe ich meinen Mut zusammengenommen und mich neben eine Asiatin gesetzt, die auf mich den Eindruck machte, als ob sie schon lange im Land und der Englischen Sprache mächtig wäre. Also habe ich meinen Rumkugelkurzwitz auf englisch vorgebracht, mir auf die Schenkel geklopft und lauthals gelacht.
Leider konnte die Asiatin meinen Humor nicht recht teilen. In ihrem Gesicht zeichnete sich soetwas wie Panik ab und sie versuchte sich höflich aber energisch an mir vorbei in den Gang zu drängeln. Um sie in ihrem Tun nicht nochweiter zu behindern, schob ich meine Knie beiseite und liess sie durch. Sie entschuldigte sich nochmals mit ihrer leisen, hellen Stimme und setzte sich so weit wie möglich nach vorn im Bus, nicht ohne noch mal über die Schulter zu schauen, ob ich ihr auch bestimmt nicht nachstelle.

Ich muss zugeben, dass mich ihre Reaktion ein wenig enttäuscht hat. Zugegeben, ich bin ja nicht unbedingt brühmt für mein Witzerzählen, aber ein Lächeln oder wenigstens ein Kiechern kann man doch erwarten oder? Schon allein für den Versuch. Schliesslich habe ich ihr ja keinen unsittlichen Antrag gemacht.

Egal, ich bin dann irgendwann am Club Tivoli angekommen


und ich muss sagen, das Haus sieht so gar nicht australisch aus. Eher wie ein typischer Bau aus einer norddeutschen Vorortsiedlung - Reinbek oder Glinde oder Neuschönningstedt, aber nicht wie Windsor (so heisst das da wirklich).
Na, jedenfalls sass da im Club Tivoli so ein älterer Herr herum und tippte dort etwas in seinen Computer ein. Ich habe mich dann ordentlich vorgestellt, mit Vornamen, wie es in Australien ja üblich ist: "Hello, my name is Paul, you can call me Paule, if you like". Ich war mir nicht sicher, ob ich eventuell mit der Tür ins Haus gefallen bin, mit diesem Nassforschen vorgehen, aber die Reaktion des Herren war dann doch eher erfreut: "Guten Tag Paul, mein Name ist Richard - die Leute hier nennen mich Ritschard". Toll, dachte ich mir - hat sein Deutsch über die Jahre nicht verlernt. Ja, und so sieht "Ritschard" aus:

Ich nenne ihn jetzt mal der Einfachheit halber Richard, mit "ch", wie sich das gehört. Also Richard ist der Lehrer vom Tivoli Computer Club und da habe ich ihm gleich erzählt, von meinem Australientagebuch. Zuerst war er gar nicht so begeistert. Als er aber dann gehört hatte, dass ich das Tagebuch in Blogform verfasse, da fand er das schon erheblich interessanter. Er will das Tagebuch jetzt sogar verwenden, um seinen Schülern zu zeigen, wie man sowas macht. Ich bin natürlich gleich um drei Köpfe größer geworden, weil er noch meinte, dass da schon allerlei technisches Verständnis zu gehört, um sowas sinnvoll zu machen. Naja, jedenfalls haben wir den ganzen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen - die hatten sogar Apfelstreuselkuchen, das muss man sich mal vorstellen - vor seinem Laptop gesessen und über Computeranwendungen gefachsimpelt. Aber damit will ich euch jetzt nicht langweilen. Zu Richard kann ich euch noch sagen, er ist 72 Jahre alt, verwitwet, wohnt in St. Kilda, nicht weit weg von der Bucht und ist seit ca. 30 Jahren in Australien. Seine Kinder wohnen in Deutschland, aber er will hier bleiben, weil er Melbourne sein zuhause nennt.

Tja, das war mal ein erfolgreicher Tag. Vielleicht kann mir Richard ja auch helfen mit der Suche nach einer eigenen Bleibe. Wer weiss, der Australier als solches ist ja auch wahnsinnig gastfreundlich, vielleicht kann ich ja auch als Untermieter bei Richard wohnen, wie früher, in der Studentenzeit. Eine richtig schöne Junggesellenbude. Naja, bei uns wäre das dann ja eine Altgesellenbude. Da wäre dann zwar nicht mehr jeden Abend Rambazamba, aber das kann auch so bestimmt ganz nett sein.

Also liebe Leute, dann mal bis zum naechsten Mal.

Euer Onkel Paul

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