Wie ich bereits erwähnt hatte, bin ich nun auf der Suche nach einem Alterssitz. Nachdem ich nun schon zwei Tage im Hotel verweile habe ich mir gedacht, dass es Zeit wird, Butter bei die Fische zu machen, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt. Und da der frühe Vogel den Wurm fängt habe ich heute Morgen, gleich nach einem ausgiebigen Frühstück einen Ausflug nach Box Hill gemacht, in der irrigen Annahme, dort ansässige Einwandererfamilien kaukasischer Abstammung, vornehmlich Briten, vorzufinden. Griechen oder Italiener wären mir auch recht gewesen. Als ich jedoch dem um 20 Minuten verspäteten Vorortszug entstieg, in der hiesigen Nahverkehrszugshaltestelle, wähnte ich mich in Kleinasien.
Auch das angenehme Englisch, welches einem in der Innenstadt so vertraut geworden ist, wird hier offensichtlich nicht gern gesprochen. Stattdessen schlägt einem hier das harte Stakkato fernöstlicher Sprachen entgegen. Als guter Hanseat sollte man aber mit Toleranz nicht sparen und so schüttelte ich meine Bedenken ab und erklomm die Rolltreppe, zur höheren Ebene. Doch auch dort hatte ich das Gefühl, allein unter Chinesen zu sein. Im Schlüsselservice ein Chinese, im Poffertjesstand (Chinesen mögen Poffertjes!) eine Chinesin, der Kiosk, das Lottogeschäft, der Edelsteinladen, die Wäscherei, die Pizzeria, die Boutique - überall besteht das Personal aus Asiaten.
Nun denn, Altona ist in Hamburg an den Türken gefallen. Wie es sich mit dem Altona in Melbourne verhält weiss ich nicht, aber es wäre sicherlich interessant herauszufinden, ob auch dort türkische Einwanderer zusammengefunden haben, so wie Chinesen es offensichtlich in Box Hill getan haben.
Da ich ja nicht nach Australien gezogen bin um in China zu wohnen, habe ich mir überlegt, von Box Hill zum Shoppingtown zu fahren. Laterales Denken is mir nicht unbekannt und so nutze ich dieses Talent, um etwaigen Anflügen von Ratlosigkeit, die Mitmenschen meines Alters zunehmend übermannen, entgegenzuwirken. Unter normalen Umständen hätte ich sicherlich stehenden Fußes kehrt gemacht und währe flugs zurück in die Stadt geflüchtet. Jedoch mein Ausweichmanöver zum Shoppingtown ist da doch eine viel interessantere Variante. Abenteuer muss ja auch sein. Also stieg ich in den Linienbus von Box Hill zum Shoppingtown, das übrigens im Nachbarvorort Doncaster liegt. Doncaster klingt ja auch viel mehr nach England als Box Hill. Box Hill (Kastenhügel) ist ja eher ein Name mit dem man Enge, winzige Aprtments und überfüllte Häuser vebindet, in denen ganze Dynastien aufeinander hocken. Wahrscheinlich kennt der Chinese das gar nicht anders von zuhause und fühlt sich nur so wohl. Was dem einen sien Uhl ist dem annern sien Nachtigall...
Erstaunlicherweise habe ich auf dem kurzen Weg von Box Hill zum Einkaufszentrum weder Pagoden, noch Tempel gesehen. Zwar tauchen ab und zu Werbeschilder von Immobilinmaklern auf, auf denen fast alles in Chinesisch geschrieben ist, aber die Häuser entsprechen dem australischen Standard. Beruhigend, das.
Kurz hinter der Brücke über die kostenfreie Autobahn (man muss nichts bezahlen, darf dafür aber auch nicht schneller als hundert fahren) bin ich an Applewood (Apfelholz - schöner Name) vorbeigefahren. Dort hatten erstaunlich viele Leute weisse Haare. Scheint wohl sowas wie betreutes Wohnen zu sein. Ich muss mich da mal schlau machen.
Na, jedenfalls bin ich nach kurzer Zeit im Shoppingtown angekommen. Shopping scheint ja bei den Australiern so beliebt zu sein, wie bei den Deutschen. Aber während der Deutsche an Sonntagen aus den Geschäften ausgesperrt bleibt und an Feiertagen auch, haben die Einkauszentren hier praktisch jeden Tag auf.
Ich habe hier mal ein paar Bilder von dem Einkaufszentrum:
Hier bin ich angekommen und im nächsten Bild kann man sehen, wie es drinnen aussieht:

Ganz nett oder? Mir gefiel ja besonders die Beleuchtung:

Das ist also praktisch direkt vor dem Kino, quasi im oberen Geschoss. Da muss man erst mal hin finden.
Was ich auch rausgefunden habe ist, dass der Australier gern ißt - vor allem chinesisch, indisch, syrisch, mediteran inklusive Italien und Griechenland und japanisch auch. Englische Restaurants findet man auch hier eher nicht. Offensichtlich konnte sich keines auf Dauer halten und inzwischen wird wohl auch die Handelskammer unerschrockene Thoren davor warnen ihr Geld für ein derartiges Etablissement aus dem Fenster zu werfen. Finger weg von englischen Restaurants...
Auch im Shoppingtown gibt es eine sogenannte Eatery. Direkt übersetzt heisst das Esserei, was den Nagel eher nicht auf den Kopf trifft. Das ist wie eine grosse Halle, in der fest etablierte Stände ihre Gerichte teils lauthals feilbieten. Also nicht die Stände selbst, sondern die Angestellten, die auf der Innenseite der jeweiligen Stände beschäftigt sind. In der Mitte, aber auch an den Rändern, also um die ganzen Stände herum stehen Tische und Stühle, die zum Verweilen und vertilgen einladen. Und wenn man einen Fentserplatz ergattert, dann sieht das ungefähr so aus:

Leider ist das nur abends so. Aber auch tagsueber kann an sich nicht über den Blick beklagen.
Ja, und so ist der Tag halt ganz flugs vorbei gewesen. Ich muss sagen, dass mir Doncaster viel besser gefallen hat, als Box Hill. Jetzt bin ich wieder zurück in meinem Hotel. Erschreckenderweise musste ich feststellen, dass die Benutzung des Internetterminals im Hotel astronomische Kosten mit sich bringt. Aber andererseits möchte ich mich auch nicht zu den jungen Dingern in ein Internet Cafe setzen. Wie sieht denn das aus? Ausserdem gibt es dort nur Instant Kaffee und harte Stühle. In meinem Alter muss man sich schon ein wenig schonen, um Hämorrhoiden vorzubeugen. Glücklicherweise ist dieser Kelch bisher an mir vorbeigegangen und so soll das auch bleiben. Ich muss mal sehen. Vielleicht gehe ich morgen mal in ein Fachgeschäft und lasse mich zwecks Anschaffung eines Computers beraten.
Also! Bis dann, liebe Daheimgebliebenen. Ich muss nun erst mal die Strapazen an der Hotelbar mit einem guten Bier herunterspülen und dann ab ins Bett.
Schöne Grüße,
Euer Onkel Paul
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