Auch die Deutsche Sprache wird in Australien gern gelernt. Aber wo bitte kann der Australier sie auch pflegen? Deutsch-Südwest gibt es nicht mehr und auch andernorts, ausserhalb Deutschlands, trifft man eher auf Befremden, denn auf Verständnis, wenn man die ortsansässige Bevölkerung in Deutsch anredet. Vielleicht glauben die Australier ja auch, dass die Deutschen irgendwann doch noch die Weltherrschaft übernehmen wollen. Dann ist es immer gut, man kann sich mit seinen Besatzern gepflegt unterhalten kann.
Stichwort Besatzer: Mein Gutes Werk für die Allgemeinbildung der Australier sollte sein, deutsche Literatur über Ebay zu verkaufen. Natürlich verkauft der erfahrene Ebaybesitzer nicht einfach drauf los. Stattdessen wird der Markt sondiert: Was geht in australischen Literatenkreisen und was nicht? Um einen Versuchballon zu starten habe ich zunächst unter der Rubrik Books, German eingegeben. Das förderte erstaunliches zutage und erregte in mir den Verdacht, dass Australier von den Deutschen ein ganz anderes Bild haben, als man zu erhoffen wünscht.
Die Bücher, die in Zusammenhang mit dem Wort German im australischen Ebay zum Verkauf stehen sind – wen wunderts – Reiseratgeber und Dictionaries. Was aber offensichtlich viel besser geht ist eine Mischung aus Büchern über Schäferhunde, den Einmarsch der Deutschen in Nordafrika, den Luftkampf über England und die Eroberung Europas im ersten und zweiten Weltkrieg. Weiterhin wird jeder Militariasammler, der auf Nazi-Embleme, Hitlers Mein Kampf, technische Spezifikationen von Jagdflugzeugen oder ähnlich krudes Zeug steht, voll auf seine Kosten kommen. Interessanterweise hat mir Richard versichert, dass man das Zeug hier überall bekommt, aber bei Ebay in Deutschland tauchen viele dieser Versteigerungsgegenstände nicht auf.
Natürlich hat mich dieser Umsatnd gewissermassen dazu gezwungen, einen Grossteil meiner deutschen Büchersammlung in Ebay anzubieten. Sicherlich hat das Einstellen meiner Werke die kulturelle Vielfalt verdreifacht – mindestens. Aber wahrscheinlich kennt hier kein Schwein Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch, Ludwig Erhart, Günther Neuss, Günther Grass, Heinrich Böll oder gar das Urgestein der Deutschen Satire, Dieter Hildebrandt und Werner Schneider oder die Werke von Loriot, um auch leichte Kunst aus Deutschland zu erwähnen. In Sachen Versteigerung habe ich auch dazugelernt – niemals ohne Mindestpreis bieten, wenn die Ware unbekannt ist. Denn sonst geht sie wirklich nur für einen Dollar weg. Kurt Tucholsky würde sicherlich wieder ausrufen, „Ick kann jarnich soviel fressen, wie ick kotzen könnte“, wenn mir solches Ungemach widerfahren würde.
Mal sehen, wie lange es dauert, bis mir nach deutscher Kultur hungernde Australier die Bücher aus der Hand reissen.
Bis demnächst,
Euer Onkel Paul

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