Mittwoch, 4. Mai 2011

Was trinkt der Australier in der Trockenzeit? Bier!

Der Deutsche ist ja bekannt dafuer, dass er gern Bier trinkt. In Europa wird der Deutsche ja auch wegen seiner Biertradition geehrt. Allerdings ist es mit der Ehre nicht mehr soweit her, seit das Reinheitsgebot nur noch fuer diejenigen gilt, die daran festhalten wollen. Viele Brauereien haben ja inzwischen alle moeglichen Zusatzstoffe in ihrem Bier. Manchmal wundert man sich, dass das noch als Bier durchgeht… Und dann gibt es Leute, die trinken Bier aus der PET-Flasche. Ekelhaft! Wahrscheinlich dauert das gar nicht mehr lange und es gibt Bier aus der Tube – auf’s Brot schmieren kann man sich Bier ja inzwischen auch.

Wie diejenigen meiner geneigten Leserschaft, die meinen Blog schon seit laengerem Folgen wissen, sind mein Hausgenosse Richard und ich dem Traditionsgebraeu auch nicht abgeneigt. Im Gegenteil – wir koennen regelmaessig auf der Terrasse unseres Hauses in St. Kilda beobachtet werden, waehrend wir dem Muessiggang froehnen und eine gute Flasche Bier geniessen.

Als Rentner darf man sowas ja und man muss sich dafuer nicht mal schuldig fuehlen.

An einem dieser Nachmittage im April, wenn die Sonne nicht mehr so hoch steht und die Temperaturen nicht mehr 24 Grad uebersteigen, haben wir uns in unserem Patio bei einem Bierchen ueber Bier im Allgemeinen unterhalten. In Verlauf der Unterhaltung kam Richard auf die Idee, dass er ein deutsches Bier nennen wuerde und ich solle daraufhin ein australisches Bier erwidern. Wem zuerst keins mehr einfaellt, der hat verloren. Als wir so etwa beim 20sten Bier angekommen waren, wurden die Pausen zwischen meinen Antworten immer laenger, weil ich immer angestrengter nach Biersorten suchte, die ich noch nicht genannt hatte. Als Richard dann anfing auch noch haehmisch zu grinsen, habe ich ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass ich unter Muessiggang etwas anderes verstehe, als mein Hirn bei der Suche nach australischen Biermarken zu martern. Er hatte es ja einfach – seit er vor Ewig und drei Tagen aus Deutschland nach Australien ruebergemacht hatte ist ja nicht viel passiert in der Deutschen Bierlandschaft, ausser, dass das Reinheitsgebot bald nicht mehr das Papier wert ist auf dem es vor vielen hundert Jahren gedruckt wurde. Aber das hatten wir ja bereits. Die meisten Marken, die er von damals kannte existieren ja heute noch. 

Apropos deutsche Biere. Dazu faellt mir gerade ein, dass ich kuerzlich auf einer Radwanderung mit dem Deutschen Club, auf dem Lilydale-Warburton Railtrail, ein paar deutsche Rentner ueberholt habe. Nicht nur, dass sie Rabeneick Fahrraeder hatten (wahrscheinlich auch ruebergemacht), der maennliche Fahrer in dieser Triade hatte sogar Rennradkluft an, was –wie ich finde- auf einem schweren Dreigang Rabeneick Stahlross etwas uebertrieben, wenn nicht sogar albern aussieht. Aber das wollte ich gar nicht erzaehlen. Was mir besonders auffiel war, dass sein Lycra Renndress mit dem Konterfei der Rothaus Brauerei aus dem Schwarzwald bedruckt war. 
Wie kommen die Leute in Australien bloss an sowas ran? Haette ich ihn doch bloss gefragt, anstatt nassforsch an diesem Moechtegernrennradfahrer auf dem Rabeneick Stahlross vorbeizupreschen.

Na, jedenfall hat Richard nach meinem Ausfall enschieden, dass er erst mal seinen Laptop anschmeissen wird um mal im Internet nachzuschauen, welche Biermarken es in Australien noch alles gibt. Ich habe mich dann dazugesetzt und ihm beim Browsen (“brausen” ausgesprochen) im Internet ueber die Schulter zu schauen. Wie nennt man das eigentlich, wenn man zu viel im Internet war? Browsebrand?

Egal, heutzutage hat ja praktisch jede australische Kleinstadt ihre eigene Brauerei. Weil sie so klein sind, nennt man diese Brauereien Boutique Breweries. Manchmal sind das einfach nur Bierliebhaber, die in ihrer Garage angefangen haben ihr eigenes Bier zu brauen. 

Einige Biere, die wir bereits probiert haben, sind folgende:

Red Back – ein herrlich frisches Weizenbier aus Westaustralien. Gezapft und verkorkt von Matilda Bay Brewing Company. Ich weiss nicht wie die das machen, dass das Bier nach 3000km Reise immer noch so gut schmeckt. Eine Empfehlung: Gut gekuehlt an heissen Tagen.


Bohemian Pilsener – ein sehr leckeres Pilsener, aus der selben Brauerei, wie das Red Back. Das ist so lecker, dass es sogar einen Preis gewonnen hat. Empfehlung: Sehr empfehlenswert fuer Freunde eines frischen Pils.

White Rabbit – ein herrlich trockenes Bier, mit ordentlich Hopfen. Es kommt aus Healesville, am Suedzipfel des Yarra Valley, etwa eine Stunde von Melbourne entfernt. Man kann auch in der Brauerei ein Glaeschen trinken. Empfehlung: Nicht unbedingt in groesseren Mengen kaufen. 24 Flaschen 0.33 Liter kosten $ 64.-. Definitiv eines der teureren Biere. Grossbrauereien bieten mitunter 24 Flaschen fuer $ 38.- an, aber im Schnitt zahlt man fuer gute Biere $45 – 50.

Fat Yak – Ein weiteres, sehr sueffiges und hopfiges Bier der Matilda Bay Brewing Company. Es geht runter wie Kartoffelchips, nur nicht so trocken. Hat man erst mal angefangen hat man auch schon die sechste Flasche in der Hand. Empfehlung: Ruhig bis zur sechsten Flasche durchhalten. Man hat auch dann noch keine pelzige Zunge.

James Squire Amber Ale: Schmeckt wie Ducksteiner*, nur nicht so suess. Hat auch die bernsteinerne Farbe. Schmeckt aus der Flasche, kann man aber auch an der Theke in jedem guten James Squire Pub bekommen. Empfehlung: Eher nicht sechs Flaschen von trinken, sonst setzen Kopfschmerzen ein. Zungepelz setzt auch schon frueher ein, weil es sehr malzig ist. 

James Squire Pilsener – niemand kann Pilsener so gut wie die Chechen (oder Slovaken) in Plzen. Von da kommt ja auch die Pilsener Brauart. Aber James Squire Pilsener laesst wehmut nach einem Pilsner Urquell schon mal aufkommen. Herrlich hopfiges Bier aus der James Squire Brewery.

Little Creatures Pale Ale – Pale Ale hat ja die Angewohnheit etwas labberig zu sein und ist Koelsch nicht ganz unaehnlich. Allerdings wird Bier hier nirgends in Vedauerli-Glaesern, sondern in vernuenftigen Bierglaesern angeboten, sofern man nicht zur Flasche greift. 


Empfehlung: Das Little Creatures in der Brunswick Street in Melbourne besuchen. Sehr gemuetliches Ambiente und zu einer umfangreichen Auswahl an Little Creatures Bieren gesellen sich auch Fabrikate anderer, kleinerer Brauereien. Auch ich durfte rein, ohne mich fragen lassen zu muessen, ob ich hierher kaeme um zu sterben, wie man es von Schanklokalen gewohnt ist, die besonders bei der eher einfach gestrickten Jugend frequentiert werden.

Ein paar weitere Empfehlungen unsererseits waehren Boags Premium Lager, Tooheys Extra Dry, Beez Kneez (mit Honig, auch sehr gut), Mountain Goat und viele andere mehr.

Die oben aufgefuehrten Biere sind natuerlich nur nach unseren persoenlichen Vorlieben ausgewaehlt worden. Auch fuer uns gibt es noch unheimlich viele Biersorten zu probieren. Inzwischen fangen ja auch Winzer an, ihr eigenes Bier anzubieten. Ist ja auch kein Wunder -  Bier brauen geht so einfach, dass Supermaerkte hier ganze Kanister mit allen Zutaten fuer den kleinen Bierbrauer anbieten. Wer sich aber professionell mit dem Bierbrauen beschaeftigen moechte kann das auch tun. Es gibt Spezialgeschaefte, in denen man alles bekommt, was der Bierbrauer benoetigt: Von Gummistiefeln ueber die Gummischuerze und den Kupferkessel bis zum Maischefass. Fuer jeden Geldbeutel etwas.

So, nun habe ich aber genug geschrieben fuer heute. Ich sag mal Prost und gesell mich noch etwas zu Richard auf den Patio, um dem Treiben auf der Strasse zuzusehen. Nicht, dass man mich falsch versteht, aber nichts ist schooner als Anderen bei ihrem Gang zur Arbeit und wieder zurueck zuzuschauen und zu wissen, das ist ein fuer alle mal vorbei.

*Es gibt uebrigens seit Anfang der 90er Jahre ein Ducksteiner in West Australien.


  

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