Montag, 25. Juli 2011

Onkel Pauls Australientagebuch: Hausrezept des Tages gegen Rachenreizung

Onkel Pauls Australientagebuch: Hausrezept des Tages gegen Rachenreizung: "Ich habe ja Sagenhaftes zutage gefoerdert, quasi in einem Selbstversuch. Die Problematik war folgende: Vor Kurzem bin ich mit dem Bus von..."

Hausrezept des Tages gegen Rachenreizung


Ich habe ja Sagenhaftes zutage gefoerdert, quasi in einem Selbstversuch. Die Problematik war folgende: Vor Kurzem bin ich mit dem Bus von St. Kilda nach Williamstown gefahren. Richard brauchte den Wagen und musste wieder irgendwelchen Leuten helfen, die mit ihren Computern ueberfordert sind.

Naja, ich habe den den Tag an der Uferpromenade von Williamstown verbracht, den Blick ueber die Skyline von Melbourne und die davorliegende Bucht schweifen lassen. Flugs ware es schon wieder gegen vier Uhr Nachmittags, als ich wieder den Bus gen St. Kilda erklommen habe. Woran ich nicht gedacht hatte war, dass in Australien die meisten Kinder ja Ganztagsschule haben und vor vier gar nicht aus der Schule kommen. Naja, wie es halt so kommen muss, stieg dann an einer Haltestelle eine Horde Halbwuechsiger ein. Natuerlich war hinter mir die Bank frei und prompt draengelten sich zwei Maedchen mit Rucksaecken an mir vorbei, die jedem Scherpa zu ehren verholfen haetten. Ich moechte bloss mal wissen, was da alles drin ist. Wozu braucht man den noch tonnenschwere Buecher im Zeitalter des Internet? Naja – ist ja auch egal.

Jedenfalls war mit den Rucksaecken ja noch nicht genug Ungemach im Anmarsch, nein, jeder halbwegs konsumbewusste Schueler in Australien deckt sich nach der Schule erst mal mit allerlei ekligen Zuckersaeften ein, die in Jumbopappbechern dargereicht werden, wiederlich nach Kunststoff riechen, in babyblau oder irgendeiner anderen Uebelkeit erregenden Farbe daherkommen und die Angewohnheit haben sich gleichmaessig in oeffentlichen Verkehrsmitteln zu verteilen. Die beiden Maedchen hatten sich mit irgendeinem nach warmem Fett und Ketchup riechenden Fastfood und diesen Fluessigkeiten eingedeckt und sassen nun hinter mir auf der Bank. Damit nicht genug. Die eine musste dann auch noch erkaeltet sein und wie es kommen muss, Schlabberzeug in der einen Hand, Schmierburger in der Anderen, Rucksack auf dem Schoss – wohin mit dem Auswurf des Niesers? Na? Natuerlich, in einem feinen Spruehregen, in meinen Nacken.

Klar war ihnen das peinlich, aber wie das halt so ist mit Jugendlichen, sind sie in diesem Alter ja leicht zu unterhalten. Besonders Maedchen. Natuerlich war ich in kuerzester Zeit das Tuschelthema im ganzen Bus. Gott war mir das peinlich, dabei war das alles gar nicht meine Schuld. Jedenfalls musste ich dann umsteigen und hatte dann auch wieder meine Ruhe.

Spaeter am selben Abend vernahm ich dann ein unangenehmes Kratzen im Hals. Ein Kratzen von der Sorte, die einem sagt, dass sich Bakterien mit ihren scharfen Krallen in die Faeltchen der Schleimhaeute verankern und dort erst mal fuer Roetungen und bellendes Gehuste sorgen.

Als ich dann irgendwann keine Lust mehr auf Fernsehen und Hustenunterdruecken hatte – Richard sass schon lange mit nach vorn geklapptem Kopf in seinem Ohrensessel – bin ich ins Badezimmer gegangen, hab mein Gebiss gereinigt und dann erst mal einen ordentlichen Schluck Mundwasser genommen, den ich dann tief in den Hals rinnen liess, bis sich ein Reizhusten ankuendigte und mich dazu zwang schleunigst den Kopf nach vorn zu werfen um das Mundwasser in den Ausguss und nicht gegen den Spiegel zu prusten.

Bloede Goeren dachte ich noch zu mir, waehrend ich auf die Mundwasserflasche starrte. Beim Starren dachte ich an das Wort Desinfektion und Desinfektion liess mich in Gedanken meine Nasenhoehlen herabwandern, durch die auch die kleinen Bakterien gekommen waren, nachdem sie einen halben Tag auf meinem Hals unterwegs gewesen sein mussten. Ich sag ja immer, Schleimheute sind das Eldorado der Bakterien.

Ich machte die Mundwasserflasche wieder auf und kippte eine kleine Menge des rosa transparenten Zeugs in die Kappe. “Warum nicht auch die Nase damit desinfiziren”, dachte ich so bei mir und zack hatte ich schon den Zeigefinger in der Fluessigkeit, hob die nasse Fingerspitze an mein Nasenloch und saugte das Mundwasser tief in mich ein.

Sensationell! Mundwasser ist also auch Nasenwasser und kann Schwellungen lindern. Und das Schoene ist, wenn man einen ordentlichen Zug Mundwasser durch die Nase schnieft, dann laeuft einem das Zeug bis in den Rachen.

Natuerlich quollen mir die Augen aus den Hoehlen, weil desinfizierende Fluessigkeiten nicht gerade sparsam mit aetherischen Oelen vermengt sind. Das reizt ganz schoen. Ich aber war auf einer Mission um das Gekratze und Geschniefe loszuwerden und es funktionierte tadellos.

Allerdings meldeten sich die kleinen Quaelgeister am naechsten Tag wieder. Wahrscheinlich hatten ihre Vorfahren bereits durch ihr Tun eine gewisse Wundheit verursacht, die es der Folgegeneration nur um so einfacher machte sich dort wieder einzunisten. Das hielt mich nicht davon ab, den Selbstversuch erneut zu starten und wieder erstaunliche Ergebnisse zutage zu foerdern, doch langfristig ist Mundwasser nicht die ideale Loesung. Wer aber schnell und ueber Nacht eine Schlacht schlagen moechte gegen unliebsame Genossen im eigenen Koerper, der sollte das ruhig mal ausprobieren. Und ueber Nacht hat man auch einen angenehmen Geruch in der Nase. Ein Geruch von klinischer Reinheit. Wie eine frisch geputzte Toilette.